Unternehmenswissen liegt selten an einem einzigen Ort. Relevante Informationen verteilen sich auf Dateiablagen, Dokumentenmanagementsysteme, Intranets, Projektplattformen, E-Mails und weitere Fachanwendungen. Wer eine konkrete Frage beantworten muss, benötigt deshalb häufig nicht nur ein einzelnes Dokument, sondern muss Informationen aus mehreren Quellen recherchieren, vergleichen und einordnen. Die Herausforderung besteht nicht allein darin, möglichst viele Treffer zu finden. Entscheidend ist, aus einer großen und heterogenen Informationsmenge die tatsächlich relevanten Inhalte zu ermitteln. Gleichzeitig müssen Anwender nachvollziehen können, auf welchen Dokumenten eine Aussage beruht und ob wichtige Informationen fehlen.
INTERGATOR 6.8 setzt an diesem Arbeitsprozess an. Die neue Version verbindet eine verbesserte hybride Suche mit einem flexibleren Agentic Chat. Beide Funktionen ergänzen sich: Die Suche erschließt relevante Dokumente und Textpassagen, während der Chat die Recherche strukturiert, Ergebnisse zusammenführt und verständlich aufbereitet.
Wenn eine Suchanfrage nicht in ein einzelnes Suchfeld passt
Im Arbeitsalltag beginnen Recherchen häufig mit unvollständigem Wissen. Eine Projektleiterin kennt beispielsweise den Namen eines Kunden, erinnert sich aber nicht an die genaue Bezeichnung des Projekts. Ein technischer Mitarbeiter sucht nach einer bestimmten Fehlerbeschreibung, weiß jedoch nicht, welche Begriffe in der Dokumentation verwendet wurden. Eine Fachabteilung möchte den aktuellen Stand eines Vorgangs nachvollziehen, dessen Informationen über Protokolle, Präsentationen, Berichte und Korrespondenzen verteilt sind.
Klassische Suchverfahren funktionieren besonders gut, wenn eindeutige Begriffe bekannt sind. Dazu gehören Aktenzeichen, Produktnamen, Rechnungsnummern, Abkürzungen oder präzise Fachbegriffe. Schwieriger wird es, wenn Anwender ihren Informationsbedarf in natürlicher Sprache beschreiben oder die gesuchten Dokumente andere Formulierungen verwenden.
Eine rein semantische Suche löst dieses Problem ebenfalls nicht vollständig. Sie erkennt zwar inhaltliche Ähnlichkeiten, kann bei einzelnen Wörtern, Nummern oder sehr spezifischen Bezeichnungen aber ungenauer sein. Für die Praxis bedeutet das: Kurze und präzise Suchanfragen stellen andere Anforderungen als ausführliche Fragestellungen.
Hybride Suche verbindet Begriffe und Bedeutung
INTERGATOR 6.8 kombiniert deshalb lexikalische und semantische Suchverfahren. Die lexikalische Suche berücksichtigt konkrete Begriffe und sprachliche Varianten. Die semantische Suche bewertet zusätzlich die inhaltliche Ähnlichkeit zwischen der Anfrage und den indexierten Informationen. Die Ergebnisse beider Verfahren werden zusammengeführt und nach ihrer Relevanz priorisiert.

Dadurch unterstützt die Suche unterschiedliche Arbeitsweisen, ohne dass Anwender für jede Anfrage zunächst das passende technische Verfahren auswählen müssen. Eine Suche nach einer konkreten Vorgangsnummer profitiert von der lexikalischen Komponente. Eine Frage wie „Welche technischen Risiken wurden für die Einführung des neuen Verfahrens genannt?“ kann dagegen semantisch passende Dokumente und Textstellen finden, auch wenn diese Frage nicht wortgleich in den Unterlagen vorkommt.
Auch mehrsprachige Anfragen lassen sich auf diese Weise besser verarbeiten. Ein Anwender kann beispielsweise eine deutsche Frage formulieren und dennoch relevante englischsprachige Dokumente finden, sofern das eingesetzte Embedding-Modell und die jeweilige Konfiguration dies unterstützen. In INTERGATOR AI+ kann zusätzlich ein Large Language Model relevante Begriffe und Fundstellen innerhalb eines Dokuments ermitteln. Das erleichtert die Einschätzung, warum ein Treffer zur Anfrage passt. Der angezeigte Text stammt weiterhin aus dem Dokumentbestand; das Modell unterstützt bei der Auswahl der relevanten Stellen, erzeugt aber nicht den zugrunde liegenden Dokumentinhalt.
Vom Treffer zur belastbaren Antwort
Eine gute Trefferliste ist häufig nur der erste Schritt. Bei komplexeren Fragestellungen müssen Anwender mehrere Dokumente öffnen, Aussagen vergleichen und die Ergebnisse anschließend für andere Personen aufbereiten. Genau hier setzt der Agentic Chat in INTERGATOR 6.8 an. Eine Nutzereingabe wird zunächst durch das angebundene Sprachmodell analysiert. Das Modell kann abhängig von der Anfrage entscheiden, ob eine direkte Antwort möglich ist, ob die INTERGATOR-Suche benötigt wird oder ob zunächst eine Rückfrage sinnvoll erscheint.
Das ist insbesondere bei unklaren oder mehrdeutigen Fragen hilfreich. Fragt ein Mitarbeiter beispielsweise nach dem „aktuellen Stand des Projekts“, fehlen möglicherweise der Projektname, der betrachtete Zeitraum oder die gewünschte Perspektive. Statt sofort eine möglicherweise unpassende Recherche zu starten, kann der Chat den fehlenden Kontext erfragen.
Bei einer eindeutig formulierten fachlichen Frage kann das Modell dagegen die Suche verwenden, relevante Inhalte abrufen und daraus eine Antwort erstellen. Abhängig vom eingesetzten Modell können auch mehrere Suchen nacheinander ausgeführt und deren Ergebnisse miteinander verglichen werden. Reasoning-Modelle unterstützen solche mehrstufigen Aufgaben, benötigen dafür jedoch in der Regel mehr Zeit und Rechenressourcen als einfachere Modelle.
Ein realistischer Rechercheprozess
Ein Mitarbeiter aus der Hochseeschifffahrt möchte sich auf eine fachliche Besprechung zur Wasserstofftechnologie vorbereiten. Er fragt:
„Welchen Herausforderungen sieht sich die Hochseeschifffahrt im Bezug auf Wasserstofftechnologie gegenüber?“
Der Agentic Chat kann zunächst erkennen, dass zur Beantwortung Unternehmensinformationen benötigt werden. Er nutzt die INTERGATOR-Suche, um beispielsweise technische Studien, Projektunterlagen, Sicherheitskonzepte, regulatorische Dokumente oder Marktanalysen zu finden. Je nach Modell und Fragestellung kann er unterschiedliche Suchanfragen formulieren, die Ergebnisse vergleichen und daraus eine strukturierte Übersicht erstellen.

Die Antwort kann zentrale Herausforderungen wie die Speicherung und Betankung von Wasserstoff, die notwendige Infrastruktur in Häfen, Sicherheitsanforderungen, regulatorische Vorgaben, die begrenzte Reichweite sowie die hohen Kosten und den zusätzlichen Platzbedarf an Bord zusammenfassen. Verwendete Quellen lassen sich als Referenzen direkt mit einzelnen Aussagen verknüpfen. Zusätzlich kann eine Dokumentliste anzeigen, welche Unterlagen für die Antwort besonders relevant waren. Anwender können diese Dokumente anschließend in der Vorschau öffnen und die Aussagen am Original prüfen.
Damit ersetzt der Chat die fachliche Bewertung nicht. Er verkürzt jedoch den Weg von einer offenen Fragestellung zu einer überprüfbaren Arbeitsgrundlage. Der Mitarbeiter muss nicht jedes gefundene Dokument vollständig lesen, kann aber gezielt die entscheidenden Stellen kontrollieren.
Unternehmenswissen bleibt im Mittelpunkt
Der Agentic Chat kann auch ohne eine Suche antworten. Das ist beispielsweise bei einer Begrüßung, einer Übersetzung oder einer allgemeinen Formulierungsaufgabe sinnvoll. Allgemeines Modellwissen kann eine Antwort ergänzen, wenn keine Recherche im Unternehmensbestand erforderlich ist. Der zentrale Mehrwert von INTERGATOR bleibt dennoch der Zugriff auf angebundene und berechtigungsgeschützte Unternehmensinformationen. Der Chat ist darauf ausgerichtet, die INTERGATOR-Suche als Werkzeug einzusetzen, wenn der Informationsbedarf dies erfordert. Antworten mit Quellenreferenzen lassen erkennen, welche Aussagen auf dem verfügbaren Datenbestand beruhen. Fehlen solche Referenzen, sollten Nutzer besonders sorgfältig prüfen, ob eine Aussage überwiegend aus allgemeinem Modellwissen stammt.
Chat-Scopes bleiben weiterhin verfügbar. Sie können den Chat auf ausgewählte Dokumente, Favoriten, gespeicherte Suchen oder definierte Dokumentmengen beschränken. Anders als bisher müssen Anwender einen solchen Bereich jedoch nicht zwingend vor jedem Gespräch auswählen.
Agentic Chat ist kein autonomer KI-Agent
Der Begriff Agentic Chat beschreibt eine flexiblere Verarbeitung von Anfragen. Er bedeutet nicht, dass INTERGATOR selbstständig beliebige Prozesse ausführt oder ohne Kontrolle in Drittsystemen handelt. In INTERGATOR 6.8 steht dem Chat im Wesentlichen die INTERGATOR-Suche als Werkzeug zur Verfügung. Das Modell kann Suchanfragen formulieren, die Suche gegebenenfalls mehrfach verwenden und die zurückgelieferten Ergebnisse verarbeiten. Es kann jedoch nicht automatisch beliebige Geschäftsaktionen ausführen, Datensätze verändern oder uneingeschränkt auf externe Anwendungen zugreifen.
Auch erweiterte Funktionen wie das selbstständige Auswerten von Facetten, das Abfragen beliebiger Metadaten oder das Auslösen projektspezifischer Aktionen gehören nicht pauschal zum Funktionsumfang. Solche Werkzeuge sind als mögliche spätere Erweiterungen zu betrachten, sofern sie nicht in einem konkreten Projekt ausdrücklich umgesetzt wurden. Diese Abgrenzung ist für eine realistische Bewertung entscheidend. INTERGATOR unterstützt Recherche, Analyse, Aufbereitung und Einordnung. Die Verantwortung für Entscheidungen und fachliche Bewertungen bleibt beim Menschen.
Welchen geschäftlichen Nutzen bringt die Kombination?
Hybride Suche und Agentic Chat adressieren unterschiedliche Teile desselben Problems. Die Suche verbessert den Zugang zu relevanten Informationen. Der Chat unterstützt dabei, aus diesen Informationen eine verständliche und überprüfbare Antwort zu entwickeln. Für Fachabteilungen sinkt der Aufwand, Suchbegriffe systematisch zu variieren und zahlreiche Dokumente manuell zu vergleichen. Projektteams können schneller einen gemeinsamen Informationsstand herstellen. Vertrieb und Kundenservice erhalten eine strukturierte Grundlage für Gespräche. Technische Bereiche können Fehlerbilder, Anforderungen oder Lösungsansätze über mehrere Dokumentationen hinweg untersuchen.
Für CIOs, CTOs und Verantwortliche für Digitalisierung liegt der Nutzen vor allem in der kontrollierten Einbindung vorhandener Informationsbestände. INTERGATOR greift auf angebundene Datenquellen zu und berücksichtigt dabei die bestehenden Berechtigungen. Die konkrete Qualität hängt dennoch von der Datenbasis, der Indexierung, den eingesetzten Modellen und der jeweiligen Konfiguration ab. Auch die Wahl der Modelle beeinflusst das Ergebnis. Ein leistungsfähiges Reasoning-Modell kann komplexere Recherchen in mehreren Schritten bearbeiten, benötigt aber mehr Zeit, Rechenleistung und gegebenenfalls höhere Nutzungskosten. Für einfachere Aufgaben können schnellere Modelle sinnvoller sein. INTERGATOR 6.8 ermöglicht deshalb, unterschiedliche Modelle für unterschiedliche Aufgaben einzusetzen.
Grenzen und Risiken bleiben relevant
Eine KI-generierte Antwort kann unvollständig oder falsch eingeordnet sein. Quellenreferenzen verbessern die Nachvollziehbarkeit, garantieren aber nicht automatisch die fachliche Richtigkeit der Interpretation. Besonders bei rechtlichen, technischen oder wirtschaftlich weitreichenden Entscheidungen müssen Nutzer die zugrunde liegenden Dokumente prüfen. Auch die beste Recherche kann nur auf Informationen zugreifen, die angebunden, indexiert und für den jeweiligen Nutzer freigegeben sind. Veraltete Dokumente, widersprüchliche Quellen oder fehlende Daten bleiben deshalb ein organisatorisches Problem. INTERGATOR kann solche Inhalte leichter auffindbar machen, aber nicht ohne Weiteres entscheiden, welche Quelle verbindlich ist. Unternehmen sollten daher vor der Einführung konkrete Anwendungsfälle festlegen, relevante Datenquellen auswählen und Qualitätskriterien definieren. Ebenso wichtig sind geeignete Modelle, klare Berechtigungskonzepte und eine realistische Erwartung an die Rolle der KI.
Fazit: Recherche wird flexibler, nicht beliebig
INTERGATOR 6.8 verbindet präzise Suchverfahren mit einer flexibleren, dialogorientierten Recherche. Die hybride Suche unterstützt sowohl kurze Begriffe als auch ausführliche und mehrsprachige Anfragen. Der Agentic Chat kann den Informationsbedarf einordnen, bei Bedarf nachfragen, die Suche verwenden und gefundene Inhalte zu einer nachvollziehbaren Antwort zusammenführen.
Der entscheidende Fortschritt liegt nicht in einer vermeintlich autonomen KI. Er liegt in einem besser abgestimmten Zusammenspiel aus Suche, Sprachmodell, Unternehmenswissen und überprüfbaren Quellen. Richtig konfiguriert unterstützt INTERGATOR Anwender dabei, umfangreiche Informationsbestände strukturierter zu durchsuchen, Zusammenhänge schneller zu erfassen und Ergebnisse fundierter weiterzuverwenden.